Wie komme ich aus dem Gedankenkarussell wieder raus?
Letzte Woche habe ich erklärt, wie ein Gedankenkarussell entstehen kann und warum sich manche Gedanken immer und immer wieder im Kreis drehen.
[Hier geht es zu Teil 1.]
Heute zeige ich Dir eine Methode, die Dir helfen kann, das Karussell anzuhalten.
Woche 2: Wie halte ich das Karussell an?
Stell Dir vor, Deine Gedanken wären ein Fluss.
Wenn Du ruhig und gelassen bist, fließen auch Deine Gedanken langsam und gemütlich dahin.
Wenn Du jedoch aufgebracht bist und sehr viel nachdenkst, wird aus dem ruhigen Fluss plötzlich eine reißende Strömung.
Ein Gedanke jagt den nächsten und Du kommst kaum noch hinterher.
Viele Menschen versuchen dann, ihre Gedanken einfach zu stoppen.
„Stopp! Ich will jetzt nicht mehr darüber nachdenken!“
Sie versuchen quasi, ihren Gedanken zu verbieten, da zu sein.
Aber hast Du schon einmal versucht, einen Fluss zu stoppen?
Das geht nur, indem Du eine Mauer baust.
Und was passiert, wenn der Fluss immer stärker und mächtiger wird?
Irgendwann reicht die Mauer nicht mehr aus und das Wasser sucht sich seinen Weg.
Im schlimmsten Fall bricht die Mauer und alle Gedanken stürzen gleichzeitig auf dich ein.
Versuch etwas anderes
Statt den Fluss aufzuhalten, stell Dir Deine Gedanken vor, wie sie an Dir vorbeischwimmen.
Und Du?
Du stehst mittendrin auf einem Felsen, etwas oberhalb des Wassers.
Du bist sicher und schaust von dort oben auf den Fluss hinab.
Du siehst Deine Gedanken kommen.
Und Du siehst sie wieder gehen.
Wenn ein Gedanke besonders laut und hartnäckig vorbeischwimmt, kannst Du ihn für einen Moment herausfischen und betrachten.
Vielleicht ist es der Gedanke:
„Warum hat er nicht angerufen?“
Schau ihn Dir an.
Du musst jetzt keine Lösung finden.
Vielleicht kannst Du einfach sagen:
„Ich habe gerade keine Antwort auf Dich. Schwimm weiter.“
Und dann setzt Du den Gedanken zurück in den Fluss und lässt ihn weiterziehen.
Aber was, wenn er wiederkommt?
Das kann natürlich passieren.
Vielleicht schwimmt derselbe Gedanke fünf Minuten später wieder an Dir vorbei.
Oder seine Brüder und Schwestern kommen hinterher:
- „Warum meldet er sich nicht?“
- „Weshalb will er nicht?“
- „Habe ich etwas falsch gemacht?“
- „Hätte ich vielleicht anders reagieren sollen?“
Dann versuchst Du, jedes Mal dasselbe zu tun.
Schau Dir den Gedanken an und gib ihm einen Namen.
Zum Beispiel:
„Ah, da ist wieder der ›Warum hat er nicht angerufen?‹-Gedanke.“
Und dann setzt Du ihn zurück in den Fluss.
Während er langsam von Dir wegschwimmt, nimmst auch Du wieder ein kleines Stück Abstand von ihm.
Du musst nicht auf jeden Gedanken aufspringen.
Du musst nicht jeden Gedanken beantworten.
Und Du musst nicht jeden Gedanken lösen.
Manche Gedanken dürfen einfach weiterschwimmen.
Gib Dir ein bisschen Zeit
Das wird wahrscheinlich nicht von heute auf morgen funktionieren.
Gerade wenn Dein Gedankenkarussell schon ordentlich Fahrt aufgenommen hat, braucht es ein wenig Übung.
Vielleicht springst Du beim ersten Mal doch wieder in den Fluss und schwimmst eine Runde mit. 😉
Das macht nichts.
Sobald Du es bemerkst, kletterst Du gedanklich wieder auf Deinen Felsen und schaust dem Fluss erneut von oben zu.
Mit der Zeit kann es Dir immer leichter fallen, Deine Gedanken vorbeiziehen zu lassen, statt Dich von jedem einzelnen mitreißen zu lassen.
Und wenn Du dabei Unterstützung möchtest, helfe ich Dir gerne. ❤️
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